Warum ich nach 20 Jahren das Feld neu aufrolle
20 Jahre. Eine verdammt lange Zeit in der Werkstatt.
Wenn man zwei Jahrzehnte lang als Mechatroniker, Diagnostiker, technischer Leiter und im Kundendienst an Autos gearbeitet hat, lernt man eines: Logik lügt nicht. Entweder der Motor läuft, oder er läuft nicht. Man lernt, aufmerksam zuzuhören – sowohl den Kunden als auch der Technik. Man wird zum Problemlöser und zum Dolmetscher zwischen komplexen Systemen und dem Menschen, der davorsteht.
Doch während ich draußen die physische Welt am Laufen hielt, wuchs in mir eine Erkenntnis: Die Hardware, die ich repariere, wird immer digitaler. Und damit auch verwundbarer.
Der Pivot: Sicherheit neu denken
Ich habe mich entschieden, nicht einfach nur mit der Zeit zu gehen, sondern sie aktiv zu gestalten. Mein Ziel? Die Welt der IT- und OT-Sicherheit. Ich möchte mein Wissen über Hardware-Logik und menschliche Kommunikation nutzen, um die Schnittstellen abzusichern, die unsere Welt im Inneren zusammenhalten.
Dabei bin ich kein fertiger Experte, der vom Himmel gefallen ist. Ich bin „Work in Progress“. Ich befinde mich gerade am Anfang eines Weges, auf dem ich mir das digitale Rüstzeug Schritt für Schritt erarbeite. Ich tausche den Blaumann nicht gegen einen Anzug, sondern gegen ein Terminal – aber der Problemlöser-Sinn bleibt derselbe.
Blueprint:Flow – Das Projekt gegen das Chaos
Dieser Wechsel ist für mich auch eine sehr persönliche Reise. Als neurodivergenter Kopf kämpfe ich oft mit Themen wie Zeitblindheit. Statt mich damit abzufinden, schraube ich gerade an meiner eigenen Lösung: Blueprint:Flow [BP~].
Es ist ein Projekt im Aufbau – mein Versuch, ein „Life-OS“ zu entwickeln, das mir hilft, Struktur in den Alltag zu bringen. Ich schreibe den Code selbst, puristisch und ohne unnötiges Ballast-Framework. Es ist meine persönliche Spielwiese, um das Programmieren von Grund auf zu lernen und gleichzeitig ein Werkzeug zu schaffen, das mir im echten Leben den Rücken freihält. Es ist noch lange nicht fertig, aber jede Zeile Code bringt mich ein Stück weiter.
Das eigene Homelab: Souveränität statt Cloud
Wer mich kennt, weiß: Ich bin kein Fan von „Black Boxes“. Ich will wissen, wo meine Daten liegen. Deshalb ist mein Homelab mein wichtigster Trainingsraum. Hier experimentiere ich mit eigener Infrastruktur, Linux und Containern.
Privacy-by-Design ist für mich kein Buzzword, sondern eine Lebenseinstellung. In meinem Labor darf ich Fehler machen, Systeme zerschießen und sie wieder aufbauen. Das ist echtes Handwerk, nur eben auf der Kommandozeile.
Warum das Ganze?
Manche fragen: „Warum nach 20 Jahren in der Kfz-Technik noch mal neu anfangen?“
Meine Antwort: Weil die Erfahrung nicht verloren geht. Die Jahre in der technischen Leitung haben mir gezeigt, wie man Projekte führt und Probleme löst. Die Arbeit am Auto hat mir gezeigt, wie Systeme ineinandergreifen. Die Kombination aus beidem ist in der digitalen Sicherheit Gold wert.
Ich bin vielleicht noch auf dem Weg, aber die Richtung stimmt. Ich lerne gerade, wie man die Systeme schützt, die uns alle bewegen.